Gastbeitrag: Über gesundes Essen, Willensstärke und unsere Emotionen

Heute habe ich einen Gastbeitrag von der wunderbaren Julia von Sweat and Lavender (früher Der Jogblog) für euch. Julia und ich kennen uns nun schon eine Weile durch die Bloggerwelt und im letzten Sommer haben wir uns beim Galeria Kaufhof Fitness Blogger Camp endlich getroffen. Ihre Bananen Muffins begeistern nach wie vor viele von euch und heute könnt ihr etwas über Willensstärke und Emotionen im Zusammenhang mit Ernährung lesen.

Genau wie Julia habe auch ich für mich einen gesunden Lebensstil entdeckt, der mich mit frischen und gesunden Lebensmitteln nährt. Immer mehr Menschen entdecken, dass unsere Ernährung einen enormen Einfluss auf unseren Körper und unser Wohlbefinden hat. Doch wird gesunde Ernährung meiner Meinung nach noch viel zu oft dafür verwendet, um sich ein bestimmtes Aussehen anzuessen: Der Look der Schlanken und Fitten.

Immer wieder stolpere ich über vermeidlich fitte und gesunde Menschen, die so etwas sagen, wie

„Wenn Du etwas wirklich möchtest, wirst Du alles dafür tun!“

Gleichzeitig sagen sie damit, dass wir etwas nicht wirklich wollen, wenn wir nicht alles dafür (auf)geben. Vielleicht schwingt auch etwas davon mit, dass man eigentlich ein großer Verlierer ist, der kaum Willensstärke besitzt.

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Mit Willensstärke abnehmen?

Zugegeben, es braucht etwas (oder manchmal auch mehr) Willensstärke und Disziplin, um in unserer heutigen Welt den ganzen zuckerhaltigen sowie kalorienreichen Versuchungen zu wiederstehen. Wir werden wohl mit mehr oder weniger Selbstkontrolle geboren, doch wir alle haben sie in gewisser Weise in uns.

Doch manchmal ist es nicht ganz so einfach. Willensstärke ist nicht unendlich am Tag für uns verfügbar. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Willensstärke im Laufe des Tages nachlassen kann. Wer sich den ganzen Tag mit Entscheidungen (was Du isst, was Du tust, ob Du zum Sport gehst) überwirft, erschöpft sich damit und wird es am Abend schwerer haben der Schokolade zu wiederstehen. Für viele von uns Grund sich schlecht zu fühlen, schlecht über sich selbst zu denken, schlecht über sich selbst zu reden. Wir haben versagt. Wir haben keine Willensstärke!

Steht und fällt alles mit unserer Willensstärke?

Doch fehlt uns wirklich immer die Willensstärke, wenn wir in eine Essattacke verfallen, wir ständig snacken oder uns einfach überessen?

Ich sage nein.

Unser Essverhalten ist viel komplexer als das. Es reicht nicht aus uns auf unsere Willensstärke zu reduzieren. Unsere (oh so mächtigen) Gewohnheiten, unsere körperlichen Gegebenheiten (z.B. Hormone), unsere kindliche Erziehung (Immer alles aufessen!) und auch Emotionen spielen eine so große Rolle in unserem Essverhalten. Und wir sind uns dessen oft noch nicht mal bewusst.

Emotionales Essen

Nicht all zu selten, verwenden wir Essen, um bestimmte Gefühle auszudrücken. Essattacken, plötzlicher Heißhunger, oder ständiges Überessen können Zeichen Deines Körpers sein, dass Du ein innerliches Verlangen hast. Ein Verlangen nach:

  • Erfolg
  • Nähe und Umarmung
  • Anerkennung
  • Sinn

Du bist nicht allein, wenn Du bei Stress, Zurückweisung, Misserfolg, Alleinsein zur Schokolade greifst. Emotionales Essen ist ein Ding! Essen macht uns glücklich. Es ist beruhigend und befriedigend. Essen kann sich wie Liebe anfühlen, die wir uns wünschen.

Meine Seele braucht das manchmal!

Braucht sie das wirklich? Braucht unsere Seele wirklich die Tüte Chips, die Eiscreme, den großen Teller Nudeln? Möchte unsere Seele wirklich etwas tun, was uns und unseren Körper langfristig krank macht? Denn seien wir ehrlich, emotionales Essen bleibt nicht nur bei einem Mal. Häufig passiert so etwas viel öfter, entgegen allem Wissen, was gesund/ungesund für unseren Körper ist und entgegen aller Selbstkontrolle. Regelmäßige Griffe zum Junk Food machen den Körper krank und senken unser Wohlbefinden. Plus, wir lernen nie richtig mit bestimmten Emotionen umzugehen, oder uns diesen bewusst zu werden und uns diesen „auszusetzen“.

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Nun möchte ich nicht, dass Du Dich deswegen schlecht fühlst. Dich klein redest. Dich selbst verletzt. Das würdest Du mit Deiner besten Freundin sicherlich auch nicht machen. Du würdest ihr sicherlich mit Mitgefühl beiseite stehen, wenn sie dir erzählt, dass sie jeden Abend eine Tafel Schokolade isst, weil sie sich allein fühlt. Oder sie den Kühlschrank leert, weil ihr Job sie so stresst oder frustriert. Du würdest ihr mir Sicherheit nicht an den Kopf hauen: „Reiß Dich doch mal zusammen. So schlecht geht es Dir ja wohl nicht.“

Unsere Emotionen haben viele Gesichter. Gefühle (und dessen Unterdrückung bzw. die Ablenkung von diesen) sind eine sehr subtile Sache und sollten durchaus ernst genommen werden. Erst, wenn Du diese ernst nimmst und bewusst erlebst, kannst Du Dich auch vom emotionalen Essen lösen.

Bewusstes Essen

Doch wie machst Du das? Es erscheint nicht immer leicht, sich dabei zu erwischen, wenn man aus einer Emotion heraus isst und noch schwerer ist es, dagegen anzukämpfen und dieses Gefühl „auszusitzen“ oder anders zu lösen.

Sich vor jedem Bissen zu fragen, warum man das jetzt isst und wie man sich gerade fühlt, kann schon extrem helfen. Esse immer in einer entspannten und ruhigen Umgebung und noch wichtiger, esse nur, wenn auch Du entspannt bist. Bevor Du zur Schokolade greifst oder besser noch vor jedem Essen

  1. Atme tief durch und
  2. Stelle Dir im Stillen oder sogar laut die Frage „Was fühle ich gerade?

Das ist alles! Was fühle ich gerade? Antworte Dir selbst, wie Du Dich fühlst. Definiere dieses Gefühl. Und dann halte hier. Sitze mit diesem Gefühl, auch wenn es eventuell unangenehm erscheint.

Beim emotionalen Essen tendieren wir dazu nicht wirklich da zu sein. Das Essen gar nicht zu spüren. Wir nehmen es kaum wahr. Es soll lediglich unser Gefühl oder den Stress betäuben. Bewusstes Essen -sich des Essens und sich Selbst bewusst sein- macht uns neugierig und zum Detektiv unseres Seelenlebens. Es klingt simpel, erscheint aber sehr oft schwer und braucht Übung. Sich in dem Moment zu erwischen, wo Du weißt, dass Du die Wahl hast zwischen

  1. Aufzuhören und eine bessere Alternative für dein Gefühl zu finden (z.B. eine Freundin anzurufen, wenn Du Dich allein fühlst oder einen Spaziergang zu machen, wenn du gestresst bist)
  1. Oder damit weiterzumachen Dich und dein Gefühl mit Essen zu betäuben

ist großartig. Die Kraft zu haben sich zu stoppen bevor man sich dem unbewussten Essen hingibt, kann ziemlich überwältigend und lebensverändernd sein. Gib Dir und Deinen Körper das Gefühl, dass Du selbst für Dich da bist. Sei mitfühlend mit Dir und lerne mit Deinem Körper zu kooperieren, anstatt gegen ihn anzukämpfen.

Comments

  1. Miriam says

    Toller Beitrag. Genau mein Thema. Als Mutter von 3 Kindern esse ich oft wen ich gestresst bin (was oft vor kommt mit den 3 Wirbelwinden) oder wenn die Nächte mal wieder zu kurz waren, mich Schlafmangel und eine nervige Grippe plagen und ich mich energielos durch den Tag schleppe.
    Sport wäre eine gute Idee aber mit der Grippe leider nicht umsetzbar.
    In so Momente fühle ich mich gefangen in einem Hamsterrad und das Essen beruhigt mich… gibt mir Energie. Ich werde versuchen Alternativen zu finden auch wenn mir das sehr schwer fallen wird. Danke für den Anstoss!

  2. Sabine says

    Toller Beitrag, Julia. Ich erkenne mich total wieder… Bedingt durch jahrelange Essstörungen habe ich das Gefühl für Essen etwas verloren…Dein Beitrag motiviert mich sehr, mehr in mich reinzuhorchen, bevor ich eine Futterattacke bekomme. Danke😘

  3. Iris Kellner says

    Auch ich erkenne mich da total wieder ! Essen ist für mich Belohnung und wenn es mir nicht gut geht, belohne ich mich mit Lebensmitteln , bei denen ich ganz genau weiß, dass ich sie nicht essen sollte , weil sie mir nicht guttun. Habe ich Disziplin ,versage ich mir diese Lebensmittel, deshalb ist es dann eine Belohnung…… das fängt an bei Sushi, Chips und natürlich alles was süß ist. Seit geraumer Zeit geht es mir nicht so gut und der Zeiger der Waage steigt stetig nach oben. Erst vor kurzem habe ich zu meiner Tochter gesagt,dass ich mich so leer fühle. Kein Wunder, dass ich ständig an Essen denke und versuche diese Leere dadurch zu füllen.Ich merke, dass ich mich in meinem Körper nicht mehr wohlfühle, weiß aber nicht, wie ich das anpacken soll. Vielleicht hast ja du einen Tipp ?

    • Julia says

      Hallo Iris, danke für deine ehrlichen Worte. Ich kann dich verstehen. Versuch doch mal, die Leere und die „Belohnung“ durch Sport zu ersetzen. Sport bringt Glückshormone und gleichzeitig kannst du dich dadurch in deinem Körper wieder wohlfphlen. Ich teile gerade in meinen Bikini Body Challenge Posts Workouts, die ich mache, und die machen wirklich Spaß. probiere es doch mal, dann bleibt auch nicht so viel Zeit für Chips und co :-) LG Julia

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