Interview: Ein Ex-Basketballprofi über Ernährung und das Clean Eating für unwillige Männer

Einige von euch haben bestimmt schon zwischen den Zeilen gelesen, dass mein Mann ein ehemaliger Profi-Sportler ist. Von 1998 bis 2008 hat er in der deutschen Bundes-Erstliga Basketball gespielt. Mittlerweile hängen die Schuhe am Nagel und er ist Trainer. Durch ihn bin ich zur gesunden Ernährung und somit zum Clean Eating gekommen. Als professioneller Sportler muss man natürlich auch auf die Ernährung achten und auf der anderen Seite ist mein Schatz sicher nicht anders als einige eurer Männer was das Thema Clean Eating angeht. Ich habe mir gedacht, dass ein kleines Interview bestimmt der/dem einen oder anderen eventuell helfen wird. Mein Mann war nämlich auch nicht von Anfang an überzeugt vom Clean Eating…

Du warst professioneller Basketballspieler. Wie hast du dich in dieser Zeit ernährt?

Als junger Spieler habe ich mich sehr schlecht ernährt. Um so älter ich wurde, desto mehr habe ich darauf geachtet, was ich meinem Körper gebe. Mir war klar, dass ich mit einer gesunden Ernährung meine sportliche Qualität und somit meine Karriere länger auf einem hohen Level halten kann.

Mit deinen Teams warst du ständig auf Auswärtsspielen und somit einige Tage nicht zu Hause. Wie hast du dich auf deinen Auswärtstouren ernährt?

Normalerweise habe ich das gegessen, was das Team organisiert hat. Meistens war das sehr gut und für Athleten angepasst – viele Kohlenhydrate, Eiweiß und natürlich kein Dessert.

Genügend Flüssigkeit ist nicht nur in der gesunden Ernährung, aber vor allem im Sport sehr wichtig. Was hast du getrunken?

Als ich nach Europa kam, habe ich Cola, Sprite und Co aufgegeben. Wasser war mein Hauptgetränk. Ab und an gab es Sportlergetränke während des Trainings.

Wie denkst du im nachhinein über deine Ernährung als Sportler? Hättest du mit einer noch angepassteren Ernährung eventuell noch mehr Energie oder Leistung erzielen können?

Wahrscheinlich ja. Ich hätte meine Ernährung noch verbessern können. Aber im Großen und Ganzen denke ich, dass ich mich schon sehr gesund ernährt habe. Eine Sache, die ich auf jeden Fall hätte besser machen können: mich komplett durchgehend gesund zu ernähren. Als Spieler habe ich mich in der Zeit der Saison gesund ernährt und sobald ich in der Saisonpause zu Hause in Amerika war, habe ich gegessen, was ich wollte – viel Soulfood, Butter, Fett und Gebratenes. Das war natürlich nicht so gut, weil ich dann auch zugenommen habe und die Kilos vor der neuen Saison wieder loswerden musste.

Hast du viel Eiweiß zu dir genommen?

Ja, habe ich. Aber auch Kohlenhydrate waren mir sehr wichtig, um mehr Energie zu bekommen. Auf Eiweiß habe ich zu Zeiten meiner professionellen Karriere nicht extrem geachtet, da ich aus der Vergangenheit wusste, dass meine Muskelmasse sich dadurch sehr schnell aufbaut und die konnte ich als Basketballspieler nicht so gebrauchen – jedenfalls nicht die „dicken Bodybuilder Muskeln“.

Hast du Nahrungsergänzungsmittel genommen?

Ja. Wenn du als Spieler nicht 100% gesund isst oder keine Frau hast, die Clean Eating predigt (lacht), fehlen dir einfach einige Nährstoffe.

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Kokoswasser – auch gesund im Urlaub.

 

Was hast du vor und nach Spielen oder Trainingseinheiten gegessen?

Vor Spielen haben nicht nicht viel gegessen – ich war einfach zu nervös. Am Abend vor einem Spiel habe ich viele Kohlenhydrate zu mir genommen, für die Energie. Nach Spielen und dem Training gab es meistens Nudeln (Kohlenhydrate) und Fisch oder Hähnchen als Eiweißquelle.

Was hast du gedacht, als deine Frau mit Clean Eating angefangen ist?

Anfangs dachte ich, dass Clean Eating auch nur eine weitere Diät ist, die sowieso nicht funktioniert und wollte eigentlich nicht so recht mitmachen.

Wie lange hast du gebraucht, bis du gemerkt hast, dass Clean Eating keine Diät ist und sogar funktioniert.

Ich glaube, ca. einen Monat. Ich bin mit ganz viel Salz und Butter aufgewachsen und daher war das dann schon eine Umstellung. Ich habe zwar davor auch gesund gegessen, aber nicht sooo gesund. Nicht sieben Tage die Woche, wenig Zucker und nur bestimmte Mengen. Anfangs war das etwas frustrierend aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt.

Fühlst du dich anders, seitdem du dich nach Clean Eating ernährst?

Ja, ich esse nun seit einigen Jahren clean. Ich habe ja sowieso keine andere Wahl, da meine Frau bei uns kocht und sie clean isst. Ich kann aber auch positive Veränderungen feststellen. Nachdem meine Karriere als Spieler zu Ende war und ich Trainer wurde, habe ich etwas zugenommen. Der Körper wurde jahrelang trainiert und bekommt auf einmal nur noch ganz wenig Bewegung – die Ernährung bleibt aber gleich. Klar nimmt man dann zu. Seit ich aber clean esse, habe ich die Kilos wieder runter und auch nicht wieder zugenommen.

Außerdem glaube ich, dass vieles, was wir ohne nachzudenken und aus Bequemlichkeit essen, nicht gesund ist. Darauf habe ich früher auch nicht geachtet – und seitdem wir versuchen, die Lebensmittel mit ungesunden Zusatzstoffen auszuschließen, habe ich ein viel besseres Gefühl. Extrem fällt mir das auch an der Gesellschaft in Deutschland (und auch in anderen Ländern) auf. Als ich vor Jahren her kam, waren die Menschen hier schlank – mittleweile sehe ich immer mehr Übergewichtige. Das hat ganz sicher etwas mit den Zusatzstoffen in unseren Lebensmitteln zu tun.

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Mein Lachs-Salat: Eines seiner Lieblingsessen.

Ich höre immer wieder von weiblichen Leserinnen, dass die Männer nicht so ganz überzeugt vom Clean Eating sind. Hast du Tipps für alle Männer, deren Frauen oder Freundinnen angefangen haben, nach Clean Eating zu essen?

Das Wichtigste ist, liebe Männer, offen für Neues zu sein. Versucht es einfach, gebt dem Ganzen eine Chance. Was vielleicht auch hilft, ist, euren Frauen zu sagen, was ihr gerne essen würdet und euch durch eine cleane Version des Gerichtes überraschen zu lassen. Oder Gemüsewünsche zu äußern, die sie dann in das Gericht mit einbringen kann. Auch Rückmeldung, ob das Essen geschmeckt hat oder was ihr hättet anders gemacht, helfen.

Ich weiß, dass viele Männer Fleisch lieben – da müsst ihr auf keinen Fall drauf verzichten – schlagt eurer Frau einfach vor, welche Fleischsorte ihr möchtet und sie kann es clean zubereiten. Haltet euch immer im Hinterkopf: Clean Eating ist keine Diät, sonderne in Lifestyle, der Spaß macht und zu mehr Energie verhilft.

Isst du Clean, wenn du alleine bist?

Nicht immer. Ich gebe aber mein Bestes, wenn ich auf Auswärtsspielen oder ohne meine Frau auf Reisen bin. Ich bin nicht perfekt. Ich achte zwar sehr darauf, was ich esse, sehe das Ganze aber nicht ganz so streng, wenn ich unterwegs bin.

Was ist dein libestes Clean Eating Gericht?

Süßkartoffel Chili !

Und deine Lieblingsmahlzeit?

Frühstück! Oatmeal ist mein Favorit.

Gibt es eine Zutat, ohne die du nicht leben könntest?

Ja, ich könnte nicht ohne Zimt in meinem Oatmeal. Zimt ist außerdem ja auch noch sehr gesund und schmeckt so wunderbar würzig.

Vermisst du amerikansiches Essen?

Nein. Ganz selten mal, aber ich habe mich daran gewöhnt, gesund zu essen und wenn ich jetzt nach Hause komme, habe ich teilweise sogar Probleme mit diesem fettigen Essen.

Was sagen eure Männer zu der gesunden Ernährung? Bist du vielleicht selbst in Mann? Dan erzähle uns doch, wie du diesen Lifestyle findest. 

 

 

 

Comments

  1. einzelkämpferin says

    Ein paar Phasen wirken als würdest du / ihr alle Männer über einen Kamm scheren und allein aus der Tatsache heraus, dass es Menschen mit mehr männlichen Komponenten sind, sich aus Ernährung nicht so viel machen und müssten genau deshalb aufgeklärt und bekehrt werden. Das gefällt mir nicht

    • Julia says

      Hallo Einzelkämpferin, schade dass du das Interview so auffasst – ich habe lediglich einen Einblick zwischen mir, meinem Mann und dem Thema Clean Eating gegeben. Damit wollte ich auf keinen Fall alle Männer über einen Kamm scheren oder belehren, sondern nur Tipps geben, wie Frauen ihre Männer mit einbinden könnten. Viele – nicht alle – Männer finden das Thema nämlich nicht so gut, weil sie Angst haben, auf Etwas verzichten zu müssen. LG Julia

    • Julia says

      Hallo Liselotte, stimmt, der Geschmack schlägt dann ganz schnell um, so geht es uns auch. Ich habe sie leider noch nicht geschafft – aber das werde ich nachholen und berichten. LG Julia

  2. Anika says

    Hallo ihr Lieben, mir tut es auch sehr Leid, dass der Beitrag anscheinend so falsch rüber kam.Ich kann mich vollkommen mit dem Problem identifizieren! Mein Partner ist nicht so überzeugt…und denkt es sei mal wieder eine Masche (obwohl er mein Abendessen immer mit „aufnascht“ und meinen Smoothiemaker mehr nutut als ich :-) ). Aber ich mache es ja eher für mich und ich bin eh die Köchin. Ich denke, hier ist eigene Hartnäckigkeit gefragt.Der Rest kommt schon noch. Er verzichtet immer mehr von sich aus und isst automatisch abends eher meine Schokolade und eher Obst! Also danke für den Beitrag, es gibt also nicht nur mich mit diesem Problem 😉

    • Anika says

      Achja:Salz ist leider sein größtes Problem. Er salzt viel nach … dachte er gewöhnt sich irgendwann an weniger !?

    • Julia says

      Hallo Anika, dann ist er ja auf dem bestem Wege 😉 Kleinigkeiten wie die, die du beschreibst, sind der Anfang – mein Mann fand Oatmeal zum Frühstück damals richtig blöd, bis ich ihn eines Tages dabei „erwischt“ habe, wie er es sich selbst zubereitet hat … Viel Glück weiterhin, Julia

      • Anika says

        Ja solche Situationen liebe ich auch und sind super witzig. Im Inneren mögen sie doch unser Streben nach Gesundheit und sind wahrscheinlich von Natur aus immer erst einmal dagegen. …. Jahre später … und dein Mann benennt dies sogar in deinem Interview als Lieblingsgericht 😀

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